Kann man Finnisch auch mit Lernschwierigkeiten lernen – z. B. LRS oder ADHS?
Ja, Finnisch kann auch mit Lernschwierigkeiten wie LRS oder ADHS erfolgreich gelernt werden. Entscheidend ist nicht die Lernschwierigkeit selbst, sondern ein angepasster Lernansatz, realistische Erwartungen und eine Lernstruktur, die zu den individuellen Bedürfnissen passt.
Lernen mit Lernschwierigkeiten ist kein Hindernis – aber eine Herausforderung
Viele Menschen mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) oder ADHS haben in der Schulzeit schlechte Erfahrungen mit Sprachen gemacht. Das führt oft zu Zweifeln wie:
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„Ich bin schlecht in Sprachen.“
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„Sprachenlernen ist nichts für mich.“
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„Ich habe es schon einmal versucht und es ging nicht.“
Diese Erfahrungen sagen jedoch nichts über die grundsätzliche Lernfähigkeit aus, sondern oft etwas über ungeeignete Lernmethoden.
Was Lernschwierigkeiten beim Sprachenlernen beeinflussen können
Je nach Person können sich Lernschwierigkeiten unterschiedlich auswirken, zum Beispiel:
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Schwierigkeiten beim Lesen längerer Texte
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Probleme mit Rechtschreibung oder Schriftbildern
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Konzentrationsprobleme über längere Zeit
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schnelle Überforderung durch zu viele Reize
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Frust bei klassischen Lernmethoden
Diese Punkte betreffen das Wie des Lernens, nicht das Ob des Lernens.
Warum Finnisch trotz Lernschwierigkeiten lernbar ist
Finnisch bringt einige Eigenschaften mit, die für viele Lernende hilfreich sein können:
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klare Aussprache (man spricht meist so, wie man liest)
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feste Regeln statt vieler Ausnahmen
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kein grammatisches Geschlecht
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konsistenter Aufbau
Gerade diese Klarheit empfinden manche Lernende mit Lernschwierigkeiten langfristig als entlastend.
Typische Probleme mit klassischen Lernmethoden
Viele Standardmethoden sind für Lernende mit LRS oder ADHS ungünstig, zum Beispiel:
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lange Wortlisten
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viel Lesen ohne Hören
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reine Grammatik-Erklärungen
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starre Lernzeiten
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hoher Leistungsdruck
Das führt oft zu Frust – nicht, weil die Person nicht lernen kann, sondern weil die Methode nicht passt.
Was beim Finnischlernen mit Lernschwierigkeiten hilft
1) Lernen in kleinen Einheiten
Kurze Lerneinheiten (z. B. 10–15 Minuten) sind oft effektiver als lange Sitzungen.
2) Mehr Hören und Sprechen
Für viele Lernende mit LRS ist:
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Hören leichter als Lesen
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Sprechen hilfreicher als Schreiben
Finnisch lässt sich gut über Klang und Wiederholung lernen.
3) Klare Strukturen statt Materialflut
Ein übersichtlicher Lernplan mit:
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klarer Reihenfolge
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wenigen Materialien
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festen Routinen
hilft, Überforderung zu vermeiden.
4) Lernen über Bedeutung, nicht über Schrift
Statt Wörter isoliert zu lesen, ist es oft hilfreicher:
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mit Bildern
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mit Situationen
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mit gesprochenen Beispielen
So wird Sprache mit Bedeutung verknüpft.
5) Bewegung und Abwechslung einbauen
Gerade bei ADHS hilft:
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Lernen im Gehen
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laut sprechen
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kurze Pausen
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Wechsel zwischen Lernformen
Sprachenlernen muss nicht still und statisch sein.
Warum Vergleiche mit anderen nicht helfen
Menschen mit Lernschwierigkeiten vergleichen sich oft mit anderen Lernenden. Das ist jedoch wenig hilfreich, weil:
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Lernwege sehr unterschiedlich sind
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Tempo nichts über Lernerfolg aussagt
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Fortschritte oft weniger sichtbar, aber real sind
Wichtig ist der eigene Lernweg, nicht der Vergleich.
Was Lernende mit Lernschwierigkeiten oft besonders gut können
Viele bringen Stärken mit, die beim Sprachenlernen hilfreich sind:
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gutes Sprachgefühl
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hohe Kreativität
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starke mündliche Ausdrucksfähigkeit
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gute Intuition für Muster
Diese Stärken werden in klassischen Lernsettings oft unterschätzt.
Ein realistischer und ermutigender Blick
Finnischlernen mit LRS oder ADHS:
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braucht Geduld
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braucht passende Methoden
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braucht Selbstvertrauen
Es ist kein „leichter Weg“, aber absolut möglich – und für viele sogar sehr bereichernd.
Wer Finnisch mit einem angepassten Lernansatz lernt und die eigenen Bedürfnisse ernst nimmt, kann auch mit Lernschwierigkeiten stabile Fortschritte machen.






